Drucken

 Zuallererst geht es um die Wahl des Theaterstücks. Dies ist meist eine aufwändige Aufgabe. Zunächst entscheidet die Spielkommission (Spiko) grundsätzlich über den gewünschten Typ des Stücks: Bauernstück, moderner Schwank, Gotthelf-Klassiker, Krimi, ernstes Stück, usw.? Einakter oder abendfüllend? Wenn dies klar ist, wird in der LBB die passende Person für die Regie gesucht: diese kramt nun einerseits im tiefen Fundus allgemein bekannter Stücke, andererseits recherchiert sie bezüglich neuer Bühnentexte, wobei meist eine ganze Anzahl neuer Skripts gelesen werden müssen.

 

Wenn der Regisseur sein Stück ausgewählt hat, stimmt er sich noch mit der Spiko ab. Anschliessend sind beim Theaterverlag gegen eine namhafte Tantieme die Aufführungsrechte zu erwerben, worauf die LBB die nötige Anzahl Texthefte erhält (am Ende der Saison ist dann dem Verlag pro erfolgte Aufführung eine Tantieme zu bezahlen). Alles Weitere liegt jetzt in der Kompetenz des Regisseurs bzw. der Regisseurin.

Nun kommt die schwierigste Aufgabe: die Rollenverteilung. Welcher Typ passt genau in die einzelne Rolle und wer steht überhaupt zur Verfügung? Nebst den Rollen sind auch alle Aufgaben hinter der Bühne zuzuteilen: Regieassistenz, Bühnenmeister, Souffleuse, Requisiten, Maske, Inspizientin, Werbung, etc.

Jetzt kann die Detailplanung beginnen. Eine knifflige Aufgabe ist der Probenplan. Hier muss vor allem auf die individuellen Ferienwünsche und sonstigen Abwesenheiten Rücksicht genommen werden, denn eine Feriensperre können wir nur gerade in der heissen Phase vor der Premiere verhängen. Eine zeitweise Probenpause kommt nicht in Frage, weil das den ganzen Schwung stören würde. Zur Planung gehört auch die Wahl eines geeigneten Probenlokals, meist im Säli eines Restaurants, möglichst mit Bühne. Geprobt wird ab März einmal, ab September zweimal wöchentlich. Vor der Hauptprobe gibt es zwei anstrengende Wochenendproben. Das ergibt insgesamt etwa 40 - 50 Proben. In der Vorbereitungsphase sind zudem verschiedene wichtige Aufgaben zu erledigen, z.B. Entwurf und Produktion der Bühnenbilder, die Wahl und Beschaffung der Kostüme und Requisiten, die Produktion technischer Effekte (Geräusche, Musik, etc.).

Wenn alles bereit ist und die Texte sitzen, kanns los gehen! Premiere ist meistens Anfang November im Bieler Stadttheater. Gespielt werden etwa 25 Vorstellungen zwischen November und April, und zwar neben dem Bieler Stadttheater im Theater am Käfigturm, Bern, sowie bei verschiedenen Vereinen oder Institutionen in Biel und Umgebung. Das ist zwar für alle Beteiligten aufwändig und anstrengend; aber der Applaus des Publikums ist dann die wohlverdiente, x-fache Entschädigung. Freude herrscht!

 

Autorin: Esther Aeberhard, LBB, Regisseurin und Schauspielerin