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Wie wird man und was macht ein Regisseur bei der LBB?

Wie alles anfing
Mein Anfang in der LBB begann als Spieler und als "Mädchen" für alles. In dieser Zeit hatte ich das Glück, unter zwei erfahrenen und kompetenten Regisseuren meine Sporen als Spieler abzuverdienen. Allerdings faszinierte mich die Aufgabe der Spielleitung dann schon sehr bald. Mit verschiedenen Spielern und damit auch sehr unterschiedlichen Charakteren ein Theaterstück mit seinerseits nochmals verschiedenen Rollen und Typen zu inszenieren, heisst, jeden Einzelnen in die zu spielende Person zu bringen, sie zu spüren und sie zu leben. Es ist eine anstrengende, aber höchst befriedigende Arbeit. Schon bald wurde für ein so genanntes "kleines Stück" ein Regisseur gesucht. Welche Gelegenheit! Ohne grosse Vorkenntnisse habe ich diese Aufgabe übernommen. Doch schnell einmal musste ich feststellen, dass es dazu mehr braucht als nur Interesse und guten Willen.

Schulung zum Regisseur
Zum Glück bot der ZSV (Zentralverband Schweizer Volkstheater) Regiekurse mit sehr kompetenten Kursleitern an. Ein hervorragender, auch vom Film her schweizweit bekannter Schauspieler und ausgezeichneter Pädagoge war Erwin Kohlund. Diese Persönlichkeit war so faszinierend, dass wir den ganzen Tag und bis weit in die Nacht hinein probten und diskutierten. Ich besuchte dann weitere Regiekurse und konnte in der LBB das Gelernte in intensiven Theaterproben umsetzen. Einmal mit dem Wesentlichen der Regiearbeit vertraut, konnte ich bei jeder neuen Inszenierung Weiteres dazu lernen und erleben. Auch durch Beobachten der Menschen im täglichen Umfeld kann man sein Auge und Gespür schulen und schärfen.

Die Praxis
Die Inszenierung eines Stückes fordert von der Regie, besonders wäh¬rend der monatelangen Probenarbeit, in jeder Minute volle Konzentration. Wobei ein Regisseur ja nicht nur für eine optimale Schauspielerei auf der Bühne zuständig ist, sondern die Gesamtverantwortung für die Inszenierung trägt, also auch für Probenplan und -lokal, Bühnenbild, Kostüme, Maske, Requisiten, Beleuchtung, Werbung, usw. Es ist dann nach all der Arbeit des Regisseurs schönster Lohn, wenn das Publikum Applaus spendet und findet, dass alles wie aus einem Guss ablaufe und vor allem, dass es die dargestellte Handlung nicht nur als "Theäterle" empfindet.

 

Autor: Hans Gruber, Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler der LBB.